Meine Zeit als Google Produktexperte

Bo bei Google in Dublin

Heute möchte ich mal ein paar eher persönliche Dinge hier posten und kurz meinen Wandel vom ehemaligen Fanboy, hin zu dem beschreiben, was ich heute bin und natürlich denke. Zwar versuche ich mittlerweile, die Dienste von Google und insbesondere deren Leidenschaft für die Daten anderer Personen zu meiden – dies war aber nicht immer so.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Google noch eine Art Geheimtip war. Damals nutzte ich Suchmaschinen und Dienste wie Yahoo!, Lycos, Fireball und Altavista. Das änderte sich langsam, nachdem mich ein Freund auf Google aufmerksam machte. Anfang nutzte ich diese neue Suchmaschine eher aus Neugier, später dann unterstützend zu den anderen. Irgendwann merkte ich dann, dass die Suche sehr gut wurde und sich stetig weiter verbesserte. So kam es dann, dass ich irgendwann komplett auf Google umstieg.

Irgendwann kam dann Gmail hinzu. Damals hatte man in der Regel einen Account bei AOL oder T-Online – wer unabhängig vom Provider sein wollte, nutzte web.de oder etwas später auch GMX. Damals hatte man bei web.de (wenn ich mich recht erinnere) 10 oder 12 MB Speicherplatz. Wer eine Toolbar installierte, konnte diesen irgendwann erweitern. Google haute hier direkt die großen Zahlen raus und man bekam Speicher im GB-Bereich. Ich erinnere mich noch an einen Zähler, der anzeigt, wie der Speicher beständig wuchs, den man den Nutzern anbot.

Ich wollte es ausprobieren und erstellte mir einen Gmail-Account. Da der Name Gmail zum damaligen Zeitpunkt in Deutschland bereits einem anderen Unternehmen (bzw einer Person) gehörte, ging hier nur @googlemail.com Störte mich aber nicht weiter.

Anfangs nutzt ich Gmail nur zum ausprobieren und „rumspielen“. Irgendwann fand ich aber, dass Google viele Dinge anders und sogar besser macht. Das Konzept der Labels zum Beispiel. Oder auch der sehr sehr gute Spamfilter, der später zu einem der besten weltweit werden sollte. Ich nutzte Gmail also irgendwann als meine Hauptadresse.

Wie es nun so ist, bei neuen Diensten – irgendwann gibt es ein Problem oder man hat Fragen. Schnell fand ich den Weg in die s.g. GPF – die Google Produktforen. Hier gab es einen deutschen Ableger und man beantwortete meine Fragen hier schnell und zufriedenstellend. Fortan schaute ich mich immer häufiger dort um und tauschte mich mit anderen aus. Die gesamte Atmosphäre gefiel mir und ich fand es toll, dass hier tatsächlich Mitarbeiter von Google zugänglich waren. Ich wurde also immer aktiver dort.

Google Summit 2017

Ich glaube es war im Sommer 2010, als Mitarbeiter von Google auf mich zukamen und mir mitteilten, dass ihnen meine Beiträge und die Hilfestellungen für andere Nutzer positiv aufgefallen wären. Man fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, etwas tiefer und intensiver einzusteigen. Völlig zwanglos, aber mit einigen Vorteilen. Es folgten weitere Gespräche und Schriftwechsel, bis ich gegen Ende des Jahres schließlich eine NDA unterschrieb und ganz offiziell zu einem der Produktexperten im Forum wurde (damals noch Top-Beitragende, oder kurz TC genannt). Fortan gehörte es zu meinen (freiwilligen) Aufgaben, Hilfesuchenden in den Foren zur Hand zu gehen. Im Gegenzug bedachte Google mich mit verschiedenen Aufmerksamkeiten und ich konnte Produkte, Services und neue Funktionen vorab testen. Regelmäßig lud man mich und die anderen Produktexperten zu Besuchen der verschiedenen Niederlassungen ein. San Francisco, Zürich, Hamburg, Dublin.. es war alles dabei. Wir waren eine tolle Truppe und mir gefiel insbesondere der enge Kontakt zu Google und dessen Mitarbeitern. Ich war kein offizieller Mitarbeiter, hatte aber durchaus die Möglichkeit, mich in gewissem Rahmen hinter den Kulissen zu bewegen, bzw zumindest Blicke dahinter zu werfen.

Google Summit 2017

Leider änderte sich dies mit der Zeit immer mehr. Anfangs war Google das junge und hippe Startup mit tollen Ideen und vielen Innovationen. „Don’t be evil“ war das Motto und es fühlte sich wirklich so an, als würde Google sich viele Gedanken darüber machen, wie man den Menschen helfen und ihnen das digitale Leben erleichtern könne.

So ganz langsam änderte sich dies aber. Die Foren wurden irgendwann teilweise eingestampft, die Zahl der Mitarbeiter in diesen Foren reduziert und ich hatte irgendwann das Gefühl, dass die abgestellten Community-Manager stets neue Googler waren, die sich noch beweisen mussten und als Einstiegsaufgabe mit der Betreuung des „Kindergarten“ beauftragt wurde. Dann verwandt auch „Don’t be evil“ und irgendwie kippten meine Sympathien für Google zusehends. Das Ganze endete dann damit, dass ich irgendwann 2017 ausgestiegen bin. Ich habe meine Daten auf andere Dienste verteilt und mich nach weiteren Alternativen umgesehen.

Heute ist es nun so, dass ich die alte Gmail-Adresse noch habe, jedoch nur noch in Form einer Weiterleitung verwende. Ich habe diese sehr intensiv genutzt und gelegentlich kommen wirklich nochmal Mails darüber an. Ich nutze sie aber nicht mehr aktiv. Drive, Kalender, Kontakte.. alles ebenfalls Geschichte.

Heute versuche ich nun, die Dienste von Google weitestgehend zu meiden. Dass dies nicht komplett möglich ist, ist mir klar. Ich habe auch keinen Beef mit Google oder so. Mir gefällt nur einfach nicht, was aus Google geworden ist. Ich versuche einfach, die Daten, die Google von mir in die Finger bekommt, zu reduzieren.

Es war eine schöne Zeit und ich möchte sie nicht missen. Google hat mir vieles gezeigt und ermöglicht und natürlich auch Dankbarkeit gezeigt. Aber den Weg, den Google mittlerweile geht, möchte ich nicht weiter unterstützen – darum bin ich raus.

Über Boris Schäfer 12 Artikel
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